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Polanski festgenommen – Wo ist der Skandal?

Manchmal bin ich schon sehr erstaunt über den Knick in der Optik von gewissen Leuten.
Da wird ein geständiger Vergewaltiger einer Minderjährigen verhaftet und die Öffentlichkeit zeigt sich darüber entrüstet. Selbst von einem Skandal ist die Rede, ja sogar das Ansehen der Schweiz wird in Frage gestellt.
HALLO?!

Eben noch zeigte man sich stolz auf das schweizerische Rechtssystem, das auch vor einem prügelndem Diktatorssohn nicht Halt macht. Vor dem Gesetz sei jeder gleich undsoweiter… Und nun ist das offenbar alles ganz anders.

Nur weil der Polanski ein gefeierter Regisseur ist, werden beide Augen zugedrückt. Eine Vergewaltigung einer Minderjährigen… nicht so schlimm. Er hat gestanden… ach was, bestimmt ein Irrtum. Internationaler Haftbefehl… gilt sicher nicht bei uns. Internationale Abkommen… gelten sicher nicht bei einem solchen Fall.
Wäre der Polanski ein Topbanker, würde seine Verhaftung wohl in allen Tönen gefeiert.

Ich habe mich schon gestern, kurz nach der Bekanntgabe der Verhaftung über die ersten Kommentare genervt. Und ich nerve mich noch immer. Denn eigentlich sollte man dem EJPD gratulieren. Dafür gratulieren, dass sich die Schweiz nicht in die Reihe von Bananenrepubliken und Schurkenstaaten stellt. Denn ein geständiger Kinderschänder soll sich nirgendwo auf der Welt verstecken können. Auch nicht wenn er prominent ist. Und schon gar nicht in der Schweiz.

Jene Kulturkreise, die in diesem Fall von „Kleingeistigkeit“ und „Skandal“ sprechen sind für mich sowas von pfui.

Köpfe müssen rollen…!

Unglaubliches hat sich gestern wieder einmal im Wankdorf ereignet. Nein, nicht der tolle 6-1 Sieg ist dabei gemeint, obwohl der auch durchaus sehenswert war.

Nein, einmal mehr hat die Protectas bewiesen, dass sie als Sicherheitsfirma im Stadion mehr als überfordert ist. Vor ein paar Wochen hat sie ihre Unfähigkeit beim UEFA-Cup bewiesen, als sie untätig zugesehen hat wie Hooligans aus Brügge einen ganzen Sektor im Stadion durchwandert haben und auf die gegnerischen Fans losgegangen sind.
Gestern nun haben sie gleich das Gegenteil gemacht. In Vollmontur und schlagstockschwingend stürmte die Protectas den Sektor der (bis dahin friedlichen) Fans aus Luzern. Eine absolut unverständliche Aktion, die in einer wüsten Keilerei ausartete. Knochenbrüche, Blut und viel Schreck und Schock waren das (voraussehbare) Resultat.
Offizieller Grund für das Stürmen des Sektors war ein Transparent mit der Aufschrift „www.nein-zu-polizeiwillkuer.ch“, das die Protectas aus dem Sektor entfernen wollte. Das Plakat soll auf das offiziell zustande gekommene Referendum im Kanton Luzern aufmerksam machen und hing schon an den vorangehenden Matches vom FC Luzern.

Es ist absolut unverständlich weshalb wegen einem harmlosen Transparent ein ganzer Sektor gestürmt wurde. Unverhältnismässig und hochgradig amateurhaft. Und zudem extrem gefährlich. Kinder und Frauen wurden durch die Schlagstöcke getroffen. Nicht auszudenken was bei einer Panik passiert worden wäre, fand die Keilerei doch auf einem Balkonsektor statt…

Als Jahreskarteninhaber fordere ich Konsequenzen. Ich habe es satt, mich wegen dieser Unfähigkeit des (Un-)Sicherheitspersonals als Fussballfan immer wieder rechtfertigen zu müssen. Ich habe die Medienschelte satt und ich schäme mich für die Erlebnisse, die die FCL-Fans im Wankdorf erleben mussten.
Konsequenzen müssen nun her. Erstens muss der gestrige Vorfall genau untersucht und dabei folgende Fragen geklärt werden:
– Weshalb wurde das Plakat nicht schon bei der Eingangskontrolle (wo alle Plakate untersucht werden) aus dem Verkehr gezogen?
– Das Plakat verstösst weder gegen die Gesetzgebung noch gegen das Stadionreglement. Warum wird deswegen ein (friedlicher) Sektor gestürmt?
– Weshalb ging man mit Schlagstöcken auf die Fans los?
– Weshalb wurden nach dem Vorfall Fotos und Videos von der Aktion von der Protectas beschlagnahmt und vernichtet?

Weiter muss das Sicherheitskonzept im Stadion von Grund auf überdacht werden. Einsatzleitung und Kommando sowie die eingesetzte Sicherheitsfirma müssen hinterfragt und gegebenenfalls ausgetauscht werden.
Ansonsten muss sich bei YB niemand wundern, wenn der Zuschauerschnitt sinkt und Jahreskarten nicht erneuert werden.

Augenzeugenberichte und Meinungen gibt es auch hier zu lesen.

„Das war ein krasser Fehler“

Immerhin haben nun nach fast einer Woche zumindest die Stadionverantwortlichen ihre Fehler eingestanden. Nachdem man in einer ersten Reaktion alle Verantwortung von sich gewiesen und die Schuld den „Fans“ in die Schuhe geschoben hat zeugt das Interview in der Berner Zeitung doch noch von einer differenzierteren Betrachtung der Vorkommnisse.

Bleibt nun nur noch zu hoffen, dass die richtigen Lehren daraus gezogen werden und dass der Polizeieinsatz auch nochmals genauer unter die Lupe genommen wird. Dies wird zumindest mittlerweile auch vom Gemeinderat so verlangt.

Vollidioten, alles Vollidioten!

Sorry, aber ich habe mich noch nicht so richtig beruhigt nach den unsäglichen Vorfällen, die gestern im Wankdorf stattgefunden haben.

Kurz die Fakten zusammengefasst:
– UEFA-Cup Spiel YB – FC Brügge
– Ausschreitungen bereits unmittelbar vor dem Spiel IM Stadion
– Ausschreitungen (massiv) nach dem Spiel vor dem Stadion

Was mich tierisch NERVT:
– Randalierende „Fans“ und solche, die sich dazu provozieren lassen
– Die Medienberichte zeichnen (bisher) ein falsches Bild
– Die Verantwortlichen von Polizei und Stadion(sicherheit) waren total unfähig überfordert

Hier die offizielle Stellungnahme der Fanarbeit Bern, die ich in aller Form unterstützen kann:

Zu den gestrigen Vorfällen während und nach dem UEFA-Cup-Spiel YB – Brügge nimmt Fanarbeit Bern aufgrund eigener Präsenz und zahlreicher Augenzeugenberichte wie folgt Stellung:

Bereits im Verlauf des Tages wurde klar, dass die erwartet grosse Anzahl Brügge-Fans nach Bern angereist war. Offiziell weigerte sich Club Brügge, die ebenfalls angereisten 250 gewaltbereiten Fans im Gästesektor aufzunehmen. Diese sind durch den Club nicht akkreditiert worden und meist mit einem Stadionverbot belegt. Dies gilt jedoch nur national und es ist fast unmöglich, bei internationalen Spielen diesen Personen den Zutritt zu verweigern. Wie es dazu kommen konnte, dass bekannte Gewalttäter aus Belgien schliesslich in grosser Anzahl Tickets für den Sektor C, die Gegentribüne mit YB-Fans, kaufen konnten, bleibt zu klären.

Bereits im Stadion kam es kurz vor Beginn der Partie zu Auseinandersetzungen, als die belgischen Fans versuchten, den Block der YB-Fans zu stürmen. 50 Belgier stürmten unbehelligt durch den gesamten Sektor C und versuchten, in den YB-Fansektor zu gelangen. Nur durch eine beherzte Reaktion der Berner Fans konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Situation beruhigte sich nach fünf Minuten, und ein Sicherheitsdispositiv konnte endlich im Sektor aufgezogen werden.

Gleich nach Ende des Spiels wurden die Fans aus Brügge aus dem Gästesektor gelassen. Die Polizei war vor dem Sektor präsent und die Reisecars standen bereit. Aus unerklärlichen Gründen gab es jedoch keine Sperrung durch die Polizei. Die belgischen Fans konnten ungehindert an der Polizei vorbei Richtung Quartierplatz und Papiermühlestrasse marschieren, obwohl die Polizei unter anderem von der Fanarbeit informiert worden war, dass eine Attacke gegen die Berner bevorstand.

Nach kurzer Zeit hatten sich die belgischen Hooligans zusammengerottet und attackierten geschlossen die beim Café Walter sitzenden YB-Fans. Die Situation eskalierte, Mobiliar wurde gegen Personen und das Café geschleudert. Drei Personen wurden verletzt, zwei mussten sich in Spitalpflege begeben. Die Berner Fans begannen sich gezwungenermassen zu wehren, die Situation wurde unübersichtlich. Da trat die Polizei verspätet und unorganisiert auf den Plan. Zwischen den Fronten stellte sie sich gegen die sich in Unterzahl wehrenden YB-Fans.

Die belgischen Aggressoren konnten nach der Attacke problemlos abziehen, und die aufgebrachten Berner Fans wurden eingekesselt und mit Gummischrot eingedeckt. Erst nach rund 15 Minuten beruhigte sich die Situation.

Fanarbeit Bern zieht folgende Bilanz:

Die Situation war klar: Auf der einen Seite gut organisierte, sehr gewalttätige Brügge-Fans, welche alles attackierten, was nach YB-Fan aussah. Auf der anderen Seite eine angegriffene, bunte Mischung aus YB-Fans, welche nach dem Spiel im Café Walter ein Bier trinken wollten.

Wie konnte es der Berner Polizei passieren, die belgischen Fans nicht zurückzuhalten und ungehindert passieren zu lassen? Das Gewaltpotenzial war offensichtlich. Die Polizei blieb völlig passiv, bis die Situation eskalierte. Besonders stossend ist, dass bei normalen Meisterschaftsspielen trotz eklatant kleinerem Gewaltpotenzial mit aller Härte durchgegriffen wird. Liess sich die Polizei von den angereisten Brügge-Fans überraschen? Dann hat sie die Arbeit im Vorfeld nicht gemacht. Oder hat sie die Situation nach dem Spiel falsch eingeschätzt? Dann hat die Einsatzplanung schlicht komplett versagt.

Mit einfachsten Mitteln wie der Sperrung des Gästesektors und der Sempachstrasse vor dem Stadion wäre die Auseinandersetzung zu verhindern gewesen. Wieso man diese Massnahme vernachlässigte und somit billigend in Kauf nahm, dass Berner Fans angegriffen wurden, muss die Polizei nun erklären.