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Die Untertanen zu Bern

Ein Gastbeitrag von Roman Hanhart (http://blog.yoda.ch)
anlässlich seiner 500-Tage-Blogtour.

Die guten, rechtmässigen und liebenswürdigen Thurgau(n)er mögen wohl niemals an die Berner herankommen. Denn jene Ureidgenossen befinden sich jenseits der Erreichbarkeit für die Bodensee-Leute. Die Berner sind nach wie vor die ungekrönten Könige im Land und das ist auch gut, so. Kein anderer Kanton könnte je in diese Rolle schlüpfen. Neid und Eifersucht würden heraufbeschwört und kämen nie mehr nachhaltig zur Ruhe. Hingegen toleriert und akzeptiert ein jeder Eidgenosse die kaiserliche Majestät zu Bern.

Es gab aber auch eine dunkle Ecke im Reich der Geschichte unserer Eidgenossenschaft. Just nach der Befreiung aus den hinterhältigen Klauen der Habsburger im Jahre 1460 wurde das Reich Thurgau der Eidgenossenschaft übertragen und die Berner widmeten sich der Verwaltung Mostindiens. Für uns Thurgau(n)er änderte sich eigentlich nicht viel, ausser das uns nicht die fiesen Habsburger versklavten, sondern die eigentlich anständigen Berner. Aber in jener Zeit muss ihnen irgend ein Nebel in ihr Hirn gestiegen sein. Denn sie frönten der Macht und knüppelten und nieder.

Erst als 1798 die Schneckenfresser in unser Land einfielen und es zunächst plünderten und wahrscheinlich alle wohlgeformte Damen beglückten, hatten die Berner nicht mehr viel zu melden. Denn die Franzosen formten ein Reich aus dem Thurgau, das weitgehendst der Selbstbestimmung folgen durfte. Sogar die Munizipalgemeinden wurden eingeführt, welche wir erst im Jahre 2000 wieder ersetzten, als erneut Bern auf den Tisch klopfte. Und heute ist der Thurgau ein gleichberechtigter Stand in der Eigenossenschaft, Stirn an Stirn mit Bern – natürlich mit der Ausnahme, dass wir keine Landeshauptstadt haben. Zwischen Bern und dem Thurgau haben sich mittlerweile – bei einer optimalen Routenwahl – zwei Kantone gedrängt, die wir nur widerwillig überqueren, wollen wir gegenseitige Besuche abstatten: Zürich und Aargau. Während dem die Zürcher arrogant, hochmütig und etwas bescheiden in der Intelligenz wirken, zeichnen sich die Aargauer durch eine zünftige Karottenzucht und einem elenden Traktorenkult aus.

Doch haben wir die giftigen Bereiche erst überschritten, folgt die wahre Gastfreundschaft der Berner. Normalerweise bringen wir Most nach Bern, überreichen ihn als Geschenk, worauf wir uns an einem Haselnusslebkuchen erfreuen. So leben wir die seichte, aber ehrliche und lebendig gewachsene Freundschaft, die uns Kraft gibt, die Zürcher zu erdulden.