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Tag 3: St. Malo – Quimper – Angers (13.11.07)

Reisebericht unserer Tour de France.

Um 8 Uhr wachen wir auf. Das Zimmer kommt uns immer mehr wie ein Gefängnis vor, wir sind froh heute abend an einem anderen Ort zu übernachten. Die Unterkunft ist günstig, aber das merkt man dann eben auch.

Beim Frühstück sind wir beinahe die einzigen, etwas das mir in den Ferien immer wieder passiert. Nach dem Frühstück schauen wir noch auf dem Internet-Terminal der Unterkunft nach, ob wir was über den geplanten Streik der SNCF herausfinden können. Leider lässt sich auf der Kiste weder ein PDF- noch ein DOC-Dokument öffnen. Henusode.

Nach dem Packen promenieren wir am Strand zurück in Richtung Bahnhof. Wir geniessen nochmals den Blick auf den Ärmelkanal und schmauchen eine Zigi. Das Meer scheint wärmer als erwartet, zumindest scheint mir das beim Fingerreinstecken so. An der Strandpromenade liegen einige Hotels aber auch Privathäuser. In den Hotels wird gefrühstückt, in den Privathäusern Tee getrunken. Wir sehen ein CH-Pärchen zum dritten Mal in St. Malo und ein gemütlicher Boxer schaut uns beim Rauchen zu.

An der historischen Polizeikaserne mit temporärem Meerblick laufen wir vorbei zum Bahnhof. Unser TGV nach Rennes wartet schon auf dem Gleis. Im Zug trinken wir die letzten Energy-Drinks aus der Schweiz und spielen eine Runde Eile mit Weile (ich gewinne schon wieder…). Ein kleiner Franzose, der gerade gelernt hat zu laufen findet uns extrem interessant, seine Mami muss immer wieder mit ihm herlaufen damit er uns zusehen kann.

In Rennes wechseln wir auf den TGV nach Quimper. Ich liebe es, im Zug andere Personen zu beobachten oder ihren Gesprächen zu lauschen. Vor uns sitzt eine junge Mutter mit ihrem kleinen Bébé, daneben eine ältere Oma und eine Reihe weiter vorne eine jugendliche Frau. Diese Kommunikation zwischen den drei Generationen ist sehr spannend zum zusehen und zuhören. Mich stört es dann auch nicht, dass die Mutter ihr Kind auf dem Sitz neu gewickelt hat.

Ab Auray scheint wieder die Sonne. Unterwegs wird uns plötzlich bewusst, dass wir das heutige Datum auf dem Interrail Pass nicht eingetragen haben. Wenn wir nicht kontrolliert werden, heisst das ein Tag gespart. Kontrolliert wird aber gar nicht, das ist mir schon am ersten Reisetag aufgefallen. Wir erreichen also Quimper ohne dafür einen Reisetag auf dem Interrail Pass zu notieren.

In Quimper ist die Sonne verschwunden, es ist bedeckt, nieselt und es geht ein kühler Wind. Wir haben keine Karte vom Ort und suchen am Bahnhof vergebens auf der Übersichtskarte nach unserem Hotel, das ich am Vortag via Internet gebucht hatte. Nach einigem Suchen entscheiden wir uns, am Kiosk eine Karte zu kaufen. Das Hotel liegt leider etwas ausserhalb des Zentrums, wir müssen den Bus nehmen.

Bevor wir in den Bus steigen, suchen wir einen Supermarkt, um uns mit einigen Lebensmitteln zu versorgen. Wir finden einen in der Nähe und kaufen pain, fromage de brebis, caprice des dieux, viandes assortis, bisquits de beurre und ein SevenUp. Während wir einkaufen beginnt es draussen zu regnen. Wir entscheiden uns, bevor wir zum Hotel fahren uns noch schnell am Bahnhof über die Weiterreise von morgen zu erkundigen und die Sitzplatzkarten zu kaufen.

Zurück am Bahnhof dann die Hiobsbotschaft: Morgen fahren ab Quimper KEINE Züge! Was nun?
Da uns die Lage des Hotels nicht gefällt und uns die Stadt auch nicht wirklich zusagt (das aktuelle Wetter spielt da bestimmt auch eine Rolle) entscheiden wir uns, nicht in Quimper zu bleiben. Wir wollen hier ganz im Westen nicht festhocken bleiben. Das heisst aber, dass das reservierte Hotelzimmer storniert werden muss. Ich rufe beim Hotel an, die Reservation lässt sich aber offenbar nur übers Internet zurücknehmen. Ich lasse also Simi mit dem Gepäck am Bahnhof zurück und mache mich auf die Suche nach einem Internetcafé.

Ein Sexshop finde ich auf Anhieb, ein Internetcafé aber nicht. Die Zeit drängt. Ich versuche mein Glück in einer düsteren Bar an einem beinahe antiken Internetterminal. Ich investiere 1.20 € um dann festzustellen, dass eine Internetverbindung nicht möglich ist. Ich versuche mein Glück in einem Hotel, leider haben sie kein Internet zur Verfügung. Die Dame am Empfang kann mir aber auf der Karte ein Internetcafé zeigen. Ich nehme meine Füsse unter die Arme und spurte zum angegebenen Ort. Die Zeit drängt weiter, es fahren nicht mehr viele Züge nach Angers, unserem neuen Ziel für heute abend.

Ich finde das Internetcafé auf Anhieb, das Stornieren des Hotels in Quimper klappt problemlos. Ich suche, finde und reserviere via Internet ein Hotel in Angers, denke sogar daran mir eine Karte zum Hotel auszudrucken. Im Eiltempo laufe ich zurück zum Bahnhof. Simi ist noch da und hat sich in der Zwischenzeit verpflegt. Ich will mir ebenfalls gleich ein Brot mit Käse gönnen als mein Telefon klingelt: Das gebuchte Hotel in Angers ruft an und teilt mir mit, dass die Reservation leider nicht möglich sei, da schon alle Zimmer ausgebucht seien. Die Dame am Telefon nennt mir aber ein anderes Hotel in Angers, das noch frei sei. Das Hotel liege direkt am Bahnhof und sie könne für uns eine Reservation vornehmen lassen. Da uns die Zeit fehlt nach einer Alternative zu suchen sage ich zu.
Wir kaufen uns Platzkarten und gehen aufs Gleis. Der Zug (wiederum ein extrem schönes, modernes Exemplar, diesmal Marke Alstom) steht schon auf dem Gleis. Wir genehmigen uns aber noch eine Zigi, um den Stress der letzten Minuten etwas zu verdauen. Dabei fällt mir auf, dass unser Zug wohl schneller als ein Vogel reist.

Bevor wir uns in den Zug setzen mache ich noch ein paar weitere Fotos von Quimper. Damit uns nebst der umsonst gekauften Karte vom Ort auch noch ein paar weitere Erinnerungen bleiben.

Im Zug komme ich endlich dazu, etwas zu essen. Dabei fülle ich auch noch die Interrail Pässe aus, für heute hatte ich genug Nervenkitzel. Anschliessend fahren wir wieder gegen Osten und spielen dabei Trivial Pursuit. In der Dunkelheit kommen wir in Redon an, hier müssen wir umsteigen. Wir warten im Bahnhofgebäude auf unseren Anschlusszug nach Nantes. Die Spannung steigt, denn ab diesem Zeitpunkt beginnt der nationale Streik der SNCF. Niemand weiss, ob und welche Züge noch fahren.

In einem Uraltwagen fahren wir schliesslich von Redon nach Nantes. Die Toilette des Zuges ist mir sogar ein Foto wert.

In Nantes geht es erstmal nicht weiter, der Anschlusszug hat Verspätung. Wir setzen uns in ein Café und stärken uns bei Bier und Thé nature. Wir informieren die Eltern über den Stand der Dinge (das mit dem Blog muss ich nochmals erklären „Ah ja, jetzt sehe ich die Fotos!“) und beruhigen die Nerven („Well down!“).

Mit einiger Verspätung trifft der TGV nach Angers doch noch ein. Im fast komplett leeren Zug fahren wir los, die Szenerie ist etwas gespenstisch. Ich hoffe insgeheim, dass die Zugsicherung (und die Signale) nicht auch streiken.

Um 21:30 kommen wir in Angers an. Das Hotel de Champagne liegt tatsächlich direkt gegenüber dem Bahnhof und erweist sich als Glücksfall. Das Zimmer ist sehr hübsch und hat eine wunderschöne Dusche. Wir lassen aber die Dusche links und das Gepäck liegen und machen uns auf den Weg in die Stadt Angers. Simi hat hier im Januar ein Stage gemacht und kennt daher die Ausgehmöglichkeiten. Und so führt sie uns dann auch zielsicher zum Welsh Pub. Ein kleines, verrauchtes und gestossen volles Lokal, extrem gemütlich und genau das Richtige nach einem solchen Tag. Simi sucht und findet auch gleich wieder die Hauskatze des Lokals, Erinnerungen werden wach.

Wir trinken zwei Pints Leffe und spielen ein paar Runden Yatzy. Gegen Mitternacht machen wir uns wieder auf den Heimweg zum Hotel. Dort wecken wir die Zimmernachbarn mit unserer Dusche und anderem „Lärm“. Erschöpft aber glücklich schlafen wir auf dem Grand lit (das für mich etwas zu kurz geraten ist) ein.

Tag 2: St. Malo (12.11.07)

Reisebericht unserer Tour de France.

Wie gesagt, es war eine kalte Nacht. Trotzdem schlafen wir bis um 10 Uhr aus, anschliessend gibt es eine heisse Dusche. Der Duschhahn war so ein Ding, das nach einiger Zeit von selbst wieder abstellt. Richtig mühsam, aber zum Glück war der Druckknopf perfekt auf Füdlihöhe…
Ach ja, nicht zu vergessen das Orkan-WC. Betätigt man die Spülung gibt es einen Wirbelsturm im Becken. Sehr interessant.

Nach der Morgentoilette machen wir uns auf den Weg zur Strandpromenade. Was uns schon am Vorabend aufgefallen ist, zeigt sich nun auch bei Tageslicht: Die meisten Häuser in St. Malo sind wunderschön. Ich komme mir vor wie Rotkäppchen im Walde: Oh schau, das dort hinten ist noch schöner… Ich habe einige Fotos geschossen.

Heute ist das Meer sehr ruhig, nichts mehr zu sehen von der romantischen, stürmischen See. Trotzdem ist die Strandpromenade sehr schön, der lange Sandstrand äusserst sehenswert.

Wir laufen dem Strand entlang in Richtung befestigter Altstadt, laufen aber vorher noch über den Sand zum Fort National, das auf einem Felsen vor der Stadt liegt.

Vom Fort aus hat man einen tollen Blick auf Intra-Muros, der befestigten Altstadt von St. Malo.

Wir gucken uns die zauberhaften Muscheln auf den Sandbänken auf dem Felsen an und geniessen die tolle Luft und Aussicht. Simi legt sich gar flach vor das Fort…

Der Hunger macht sich bemerkbar, wir gehen „intra-muros“. Bei einem Restaurant in alten Gemäuern und mit gewaltigem Wandbild à la Turner hinter der Bar bestellen wir uns was feines zum Essen. Mein Filet de Lieu ist gross und extrem schmackhaft, Simis Entrecôte ist zuerst trop saignant, dann trop rôti. Offenbar versteht man hier mehr vom Fisch als vom Fleisch… Die Crêpes und der Fromage zum Dessert sind dann wieder ein Gaumenschmaus.
Neben uns diniert eine britische Herrengesellschaft mit grauen Schläfen und Golfklubpullis.

Wir verzichten auf den Café und machen uns auf den Weg auf die „Muros“. St. Malo ist eine befestigte Stadt, von drei Seiten mit Meer umgeben und die Befestigungmauer ist begehbar (Foto). Auf dieser Mauer laufen wir um die Stadt herum und geniessen die warme Sonne. Es ist warm genug, um ohne Jacke herumzulaufen. Wir begegnen jugendlichen „Hängers“ und durch die Ebbe trockengelegte Schiffe.

In einem kleinen Park mit Statue von Jacques Cartier, dem Entdecker Kanadas (inkl. obligater Möve auf dem Kopf), antiken Kanonen und einer bezaubernden Aussicht führen wir uns wieder Sigur Rós und eine Zigi zu Gemüte und geniessen den perfekten Augenblick und die herbstliche Sonne.

Wir haben Lust auf etwas Flüssiges und entdecken unterhalb der Stadtmauer eine Strandbar, die geöffnet schien. Wir laufen neben den Pétanquespielern runter zum Strand und bestellen uns Bier und Tee. Wir waren die ersten Gäste und hatten Glück, nach unserer Bestellung wurde erst das Schild „Servez-vous au Bar“ aufgehängt.
Neben der Strandbar lag auch der Strand und das Strandbad, ein Becken (mit Sprungturm!) aus Beton, das bei Flut komplett im Meer verschwindet und bei Ebbe zum Schwimmbecken wird. Gebadet wird aber momentan nicht, aber eine lärmige Schar von Jungseglern sticht unter fachkundigen Anweisungen des Oberseglers mit ihrer Armada ins Meer.

Wir besteigen wieder die Stadtmauer und werfen einen letzten Blick zurück auf Petit Bé, einer der vorgelagerten Inseln von St. Malo.

Intra-Muros begenet uns eine Rasselbande von Dreikäsehochs, die verkleidet als Piraten und Prinzessinnen uns daran erinnern, dass ja die Fasnacht begonnen hat. Die Kleinen machen Höllenlärm und haben sichtlich Spass daran.

Wir laufen zum Bahnhof zurück. Auf dem Weg dorthin laufen wir durch das Hafengelände, wo offensichtlich vorallem mit geschnittenem Holz gehandelt wird. Wir passieren einige grosse Sägereien und unzählige Stapel von Dachlatten und Brettern.

Der Bahnhof von St. Malo ist neu erbaut worden. Aber nicht an der selben Stelle wie der alte Bahnhof, sondern etwas versetzt. Das Schild am alten Bahnhof fand ich ziemlich kurios.

Im neuen Bahnhof kaufen wir uns die Sitzplatzkarten für die Reise vom nächsten Tag nach Quimper. Meine Frage nach dem bevorstehenden Streik wurde mit „Pas de Problème!“ beantwortet. Die Reise nach Quimper ist möglich, da erst ab 20 Uhr gestreikt wird.

Draussen suchen wir uns einen Bus, der zurück zur Auberge de Jeunesse fährt, es ist der Bus Nr. 10. Beim Warten auf den Bus fällt mir ein pickliger Junge mit seiner ziemlich dicken Mutter auf. Dieses Pickelgesicht hat mich dann im Bus ganz freundlich darauf hingewiesen, dass man das gekaufte Ticket auch noch entwerten muss. Man wisse ja nie, wenn ein Kontrolleur komme… Ich danke ihm für die Hilfe und bin positiv überrascht, er freut sich und erklärt der Mutter stolz, dass er nun Touristen geholfen habe.

Zurück im Stinkloch stellt sich die Frage, ob wir ein Energy-Drink nehmen oder uns aufs Ohr legen. Wir entscheiden uns fürs Schlafen und machen ein Nickerchen. Um etwa 20 Uhr rappeln wir uns wieder auf und suchen uns ein Restaurant. Bei der „Pizzeria chez Michel“ werden wir fündig. Die Pizzeria ist überstellt mit Bildern und Masken von Venedig, offenbar ist der Michel ein Venedigfanatiker. Sicher aber ist er ein grosser Plapperi, der seine Gäste pausenlos mit seinem Geschwafel unterhält. Seine Pizza „Chef“ und „Pêcheur“ schmeckt aber hervorragend.

Um etwa 22 Uhr laufen wir wieder zurück. Die Temperaturanzeige zeigt immer noch 8 Grad an. Zurück im Hostel verkriechen wir uns ins Bett und lesen uns noch erotische Nachtgeschichten vor.

Tag 1: Bern – St. Malo (11.11.07)

Reisebericht unserer Tour de France.

Heute geht es also los. Die Koffer sind gepackt und mit dem Tram geht es zum Bahnhof. Dort kaufen wir uns am Bahnschalter die Tickets für unsere Tour de France. Wir kaufen uns einen preiswerten und praktischen Interrail One Country Pass für Frankreich. Während die Tickets ausgestellt werden entdecken wir im Hintergrund des Schalters einen kleinen Zettel an die Wand gepinnt: „Streik der SNCF ab Dienstag, Dauer unbestimmt.“
Wir lassen uns davon nicht beeindrucken, wird schon irgendwie klappen. Und Streiks gibt es ja bei den ausländischen Bahngesellschaften immer wieder. Die Dame am Schalter macht uns auch nicht auf den Streik aufmerksam und wir uns daher auch keine weiteren Gedanken.

Mit dem TGV geht es via Neuenburg (wunderbarer Blick über den See) durch den verschneiten Jura. Das Val de Travers habe ich noch nie bei Sonne und guten Wetter erlebt, aber die Landschaft hat auch so ihren ganz speziellen Reiz.
Schon bald tauchen die adrett gekleideten französischen Grenzbeamten im Zug auf. Von uns beiden wollen sie nichts wissen, aber der Passagier neben uns scheint ihrem Auge aufgefallen zu sein. Nach der Kontrolle seiner Dokumente werden auch noch seine Taschen durchsucht. Was ein älterer Herr, der alleine und mit wenig Gepäck reist mit einer grossen Packung Tampons anfangen will frage nicht nur ich mich, sondern provoziert auch den Argwohn der Grenzbeamten. Nachdem sie aber auch seine Kleider, die er anhat durchsucht haben, scheinen sie befriedigt und lassen ihn in Frankreich einreisen.

Bei Frasne gibt es einen ersten Halt von 12 Minuten. Wir nutzen die Gelegenheit und machen draussen im Schneeregen eine Rauchpause. Dass beim wettergeschützten Unterstand eigentlich Rauchverbot gilt, kümmert hier niemanden. Telefonisch erkundigt sich mein Vater, wie das denn nun genau mit dem Blog funktioniert. Man will ja auf den laufenden bleiben. Nachdem der Unterschied zwischen Mailprogramm und Browser erklärt ist, klappt es auch mit dem anschauen. Das erste Bild ist ja schon zu sehen…

Ab Dijon wird das Wetter zunehmend besser, der Regen hört auf. Auffallend: die Gegend die wir durchfahren ist sehr dünn besiedelt, es überwiegen die Brachflächen und vereinzelte Bauernhöfe. Nebst der Gegend beschäftigen wir uns mit Kreuzworträtseln und essen Prix Garanti-Salami. Später bessere ich mein Allgemeinwissen mit der Lektüre eines PM auf. Doch auch das kann nicht alle Fragen klären, die bei einer solchen Zugfahrt plötzlich auftauchen. Wie heissen wohl die ganz kleinen roten Käferchen, die man im Sommer am Waldrand und auf Tockenmauern findet?

Kurz nach 13 Uhr taucht plötzlich Paris auf. Sozusagen aus dem Nichts, nach langer Fahrt durch weite, flache Flächen findet man sich plötzlich mitten in der Grossstadt. Dabei sind wir doch erst gerade in Bern in den Zug eingestiegen…

In Paris ist es trocken, die Luft scheint wärmer zu sein. Wir marschieren durch den Gare de Lyon, vorbei an erstaunlich vielen Flics hinunter in die Katakomben der Métro. Der Geschmack der Métro ist immer noch derselbe, für mich nicht unangenehm denn mit dem Gefühl von Paris fest verbunden. Und auch der Signalton vor dem Schliessen der Türen ist immer noch derselbe. Man fühlt sich gleich irgendwie vertraut. Ich frage mich, wieviele verschiedene Türschliesssysteme es in den Métros weltweit gibt. Noch nie sind mir in einer Stadt dieselben Systeme begegnet.

Rollstuhlfahrer sind in der Métro nicht vorgesehen. Die unzähligen Treppen und engen Gänge sind ein unüberwindbares Hindernis. Wir leiden in unseren Wintermänteln in der Hitze der Katakomben und schleppen keuchend unsere Koffer über die Treppen. Umsteigen in Châtelet.

Beim Bahnhof Montparnasse angekommen gönnen wir uns eine Zigi und verschnaufen am Fusse des Turmes. Gleichzeitig organisieren wir telefonisch das Pflanzengiesssen zuhause, schon praktisch wenn man den Hausabwart zu seinen Freunden zählen kann…

In einem typischen Café neben dem Bahnhof lassen wir uns nieder und trinken schalen Kaffee und eine Préssion. Wir bestaunen den Garçon der aussieht und sich bewegt wie ein alter englischer Butler, fehlt bloss noch das Bärenfell am Boden über das er stolpert. So aber stolpert er bloss über Füsse und Koffern. Auf dem Klo (typisch: auch das grosse Geschäft erledigt man im Stehen) gibt es kein Licht, resp. erst nachdem man sich im Dunkeln einschliesst. Darauf muss man zuerst kommen…

Der TGV nach Rennes ist proppenvoll und wir haben in Bern bloss noch Sitzplätze in zwei verschiedenen Wagen bekommen. Trotz Interrail Pass muss in den TGVs jeweils ein Sitzplatz reserviert werden. Das kostet aber kaum was, zwischen 1.50 und 6 €.
Mir gegenüber war noch ein Platz frei, den haben wir dann auch gleich in Beschlag genommen. Wer zu spät kommt (und sich nicht traut zu fragen) den bestraft das Leben…

Meine Sitznachbarin lernt englisch und nimmt nach einiger Zeit ihren Laptop hervor. Ich wage ein paar Blicke und amüsiere mich über das französchische Windows. Man kennt ja die Abneigung der Franzosen gegenüber Anglizismen…

Gegen Westen taucht die Sonne zwischen den Wolken auf, wir fahren offensichtlich dem guten Wetter entgegen. Wieder beeindrucken mich die weiten Flächen und schönen Herbstwälder. In unseren Kopfhörern liefert Sigur Rós einen perfekten Soundtrack zu den Bildern, die an uns vorbeihuschen.

Langsam werden die Häuser kleiner, ihre Fenster höher und schmaler. Der Putz weicht immer häufiger einer nackten Steinmauer. Mittlerweile blendet uns die Abendsonne und hinter einer Kurve taucht unvermittelt ein Schlösschen wie aus dem Legokarton auf. Würde nicht die Tricolore auf dem Turm wehen, könnte man meinen man sei im Mittelalter angekommen.

In Rennes verlassen wir den TGV. Ich frage mich, wieso es 2nde classe heisst und nicht 2ième classe heisst.
Wir steigen in einen nigelnagelneuen und sehr edlen Zug ein, Marke Bombardier. Sehr hell und übersichtlich, dagegen wirkt selbst der Thurbo etwas fahl. Wir spielen Trivial Pursuit und fahren in die Dämmerung. Etwa um halb sieben Uhr kommen wir in St. Malo an.

Gleich beim Verlassen des Zuges fällt uns auf: das Meer ist gleich in der Nähe. Es gibt nichts erfrischenderes als eine Meeresbrise die einem um die Nase weht. Trotzdem ist es überraschenderweise nicht kalt. Da wir keine Karte vom Ort dabeihaben, laufen wir einfach der Nase nach, denn unsere Unterkunft liegt ganz in der Nähe des Strands.

Um 1840 Uhr ist es dann soweit: wir haben das Meer vor uns! Obwohl schon unzählige Male gesehen, ist der Anblick der stiebenden Wellen und der Duft der Gischt immer wieder ein geniales Erlebnis. Wir würden am liebsten gleich stehenbleiben, machen uns dann doch auf den Weg Richtung Auberge de Jeunesse und bekommen dort ein Zweierzimmer für 36 € die Nacht. Die Koffer lassen wir aber gleich stehen, denn es zieht uns gleich wieder an den Strand.

Auf einer schmalen Mauer wagen wir uns balancierend 50 Meter auf einen Felsen im Wasser, an dem sich ringsherum die Wellen brechen. Mitten in der Finsternis, tobende weisse Wellen um uns herum und eine feuchte Brise um den Kopf: ganz schön romantisch…!

Nachdem wir unsere Lungen zur Genüge mit frischer Meeresluft gefüllt haben macht sich der Hunger bemerkbar. Wir entscheiden uns für eine kleine Pizzeria und geniessen hauchdünne Pizzas (Margarita und beaucops de fruits de mer) mit einem guten (aber preiswerten) Tropfen Bordeaux.

Zurück in der Auberge de Jeunesse verkriechen wir uns ins Bett und spielen noch eine Runde Eile mit Weile. Die Nacht wird kalt, denn aufgrund etwas üblem Geruch des Zimmers schlafen wir bei sperangeloffenem Fenster. Wir nutzen denn auch bloss eines der beiden Betten…

Mal aufräumen und updaten…

Sodeli, gestern Mittag sind wir wieder zuhause angekommen. Koffer sind mittlerweile wieder ausgepackt und die Waschmaschine läuft. Nachdem die aufgezeichneten TV-Sendungen nachgeschaut wurden, habe ich nun Zeit für den Blog.
Ein ausführlicher Reisebericht wird hier demnächst folgen…